Weihnachtsprädigt
von unserem Vorsteher
Abt Mitrofan

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Liebe Brüder und Schwestern!


Weihnachten: die dunkle Kirche, die vielen Kerzen, die wohl vertrauten Klänge. Eine alte Sehnsucht ergreift die Seele. Was ist das eigentlich - das Geheimnis von Weihnachten? Ist es die Atmosphäre, die Stimmung? Ist es ein schöner Traum von Frieden und Geborgenheit, dem wir in unseren Gefühlen nachhängen? Oder wird da tatsächlich etwas neu? Ist da etwas, das uns verändert? Was ist das Geheimnis von Weihnachten?


Ein Geheimnis ist ja mehr als ein Rätsel. Denn ein Rätsel, welches gelöst ist, ist kein Rätsel mehr. Ein Geheimnis dagegen bleibt ein Geheimnis, auch wenn man es kennt.
Ein kurzer Satz  aus dem 1. Timotheusbrief hat das Geheimnis von Weihnachten zum Thema:
„Und groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.


Groß ist das Geheimnis des Glaubens. Es ist deshalb groß, weil es mit unserem Leben zu tun hat: nicht bloß ein schöner Traum, nicht bloß Gefühl und Stimmung. Wer nach dem Sinn des Lebens fragt, der hat es immer mit einem Geheimnis zu tun. Denn Sinn kann man sich nicht selbst geben. Sinn kann man nicht erklären oder beweisen. Sinn lässt sich nur erahnen. Sinn muss einem eröffnet werden. Nackte Zahlen und pure Fakten dagegen sind kalkulierbar. Mit ihnen lässt sich umgehen. Aber sie reichen nicht hinab in jene tiefere Dimension des Seins, aus der uns der Sinn des Lebens erwächst. Weihnachten hat mit dem Sinn des Lebens zu tun.


Was aber ist das Geheimnis? Der Timotheusbrief beschreibt es so: „Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.
Schwer zu verstehende Worte sind das. Aber sie sind aufeinander abgestimmt: das eine spielt auf Erden, das andere im Himmel: offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.


Das ist das Geheimnis dieser Nacht: Himmel und Erde berühren sich, Gott und Mensch werden eins, die Gegensätze sind versöhnt: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden“, singen die Engel.
 Die Verbindung von Himmel und Erde, die Vereinigung der großen Gegensätze, das Verschmelzen des Vergänglichen mit der Ewigkeit. Letztlich ist das die Sehnsucht aller. Weihnachten sagt: Hier in Jesus Christus hat sich das erfüllt. In seiner Geburt ist der Himmel zur Erde herabgestiegen, hat Gott Wohnung genommen bei den Menschen. Was könnte es Schöneres geben als das: ein Stück Himmel mitten unter uns.


Die Weihnachtsgeschichte will uns zeigen, wie Himmel und Erde zusammenkommen: Die finstere Nacht, die von himmlischer Klarheit durchleuchtet wird; die Engel, die den Hirten das Heil verkünden; die Könige, die dem wunderbaren Stern folgen; in all diesen Bildern treten himmlisches und irdisches Element zusammen und deuten an, was im Stall von Bethlehem geschehen ist: Gott ist Mensch geworden!


Und dieses Stück Himmel auf Erden, das ereignet sich ganz konkret auf der Erde und nicht in irgendwelchen hoheitsvollen Palästen oder irgendwelchen besonderen Orten. Nicht das Edelste der Welt ist für den Himmel gerade gut genug - nein umgekehrt! - der Himmel steigt so tief hinab in diese Welt, dass er dort bei den Ausgestoßenen, draußen vor den Toren der Stadt geboren wird. In einer Höhle, die als Stall genutzt wird, kommt Gott zur Welt. Statt einer goldenen Wiege eine Futterkrippe, statt Samt und Seide Heu und Stroh, statt Edelsteinen und Juwelen die bittere Armut. Das ist der Ort, an dem Gott wohnt: Das nackte, pure Elend, in dass das Kind hinein geboren wird.


Aber genau das ist das große, unfassliche Geheimnis Gottes. Krippe und Höhle weisen über sich hinaus. Die Geburtshöhle verweist auf die Grabeshöhle, die Windeln auf die Grabtücher. Bethlehem und Golgatha gehören zusammen. Gott verschließt vor dem Elend der Welt nicht die Augen. Er nimmt auf sich, was Not macht. Die ganze Not der Welt sieht er. Die Kriege, die auf diesem Erdball geführt werden, die Armut, die auf dem Globus herrscht, den Hass und die Gewalt, die die Welt bedrückt. In dieser Nacht soll deutlich werden: All das hat nicht für immer Macht. Gott durchbricht es und will die Not dieser Welt heilen.


Kann Weihnachten auch mein Leben verändern? Vielleicht sind mir in diesen Tagen meine inneren Wünsche und Sehnsüchte besonders nahe. Vielleicht spüre ich heute, was mir eigentlich fehlt und wofür ich sonst im Alltag keine Zeit habe. Vielleicht meldet sich auch Verdrängtes bei mir zu Wort. Weihnachten heißt: Gott sieht, was verborgen in meinem Herzen ist. Er will auch in mein Leben kommen und mein Verlangen stillen. Ich brauche nicht zu verstecken, was mir schwer fällt. Ich darf das, was mich belastet - meine Sorgen, meine Ängste - von Chtistus bescheinen lassen. Dann wird ein Glanz meine Seele berühren, und ich kann glauben, dass Christus in unsere Welt hinein geboren wird. Ja, und auch mein Leben darf zur Krippe werden. Dann kommen auch in mir selbst Himmel und Erde zusammen. Und die Freude von Weihnachten wird auch mein Herz ergreifen. Amen.

Ihnen allen wünsche ich von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest.Wenn ich auch nicht bei Ihnen sein kann, sind meine Gedannken und Gebete mit Ihnen allen.


Ihr Vater Mitrofan


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum ersten mal nach 25 Jahren

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weihnachtsprädigt

von unserem Vorsteher

abt Mitrofan

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

7.01.2011.

 

Zum ersten Mal nach der 25-jährigen Geschichte unserer Kirche haben wir Liturgie mit einem Diakone selebriert. Im Laufe des ganzes Monats hatten wir solche seltene Möglichkeit gehabt.

 

Wir bedanken uns recht herzlich bei dem Vater Paul, wünschen ihm und seiner Familie, seiner Frau Vera und seiner Tochter Anna, guten Heimweg nach Weißrussland, viel Erfolg auf seinem Lebensweg und wir hoffen, ihn noch mal in unserer Kirche zu sehen.

 

 

Orthodoxer Priester im Dienst einer evangelischen Landeskirche

 

 

 

"Schwebisches Tagblatt"

Alexej Wassin Stiftskirche.pdf
Adobe Acrobat Dokument [821.3 KB]
Download